Freitag, 4. april 2008
Natürlich war mir klar, dass ich durch den Umzug nicht geheilt bin. Natürlich wusste ich, dass die Probleme weiterhin vorhanden sein werden. Aber ich hab so gut gekämpft.

Heute ist der 36. Tag ohne Selbstverletzung und eigentlich bin ich auch wirklich stolz auf mich. Aber seit Tagen steigt der Druck. Am Montag schreib ich meine erste Abiklausur, für die ich fast nicht gelernt hab, ebenso wie für die anderen Fächer. Ich weiß ich bin es selber Schuld, ich bin so sauer auf mich deswegen und will mich dafür strafen, mein Selbsthass wächst wieder.

Diese Woche bin ich abends alleine, denn mein Freund hat Nachtschicht. Der Abend, die Zeit, wo der Schneidedruck immer am schlimmsten ist.

Außerdem glaub ich, dass ich wieder Dissoziationen habe, kann mich aber selber nie dran erinnern. Nur ein Freund, der mir heute sagte, dass wir gestern Abend geschrieben haben und es mir nicht gut ging, hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich weiß nicht, wie oft das geschieht, wenn ich alleine bin, denn meist erinner ich mich nachher an gar nichts.
Dazu kommen wieder die Nächte. Ich träume wieder, schlafe wenig bis gar nicht, bin unausgeglichen.

Gestern habe ich erfahren, dass der Vater einer früheren guten Freundin gestorben ist. Mein Vater war früher gut mit ihm befreundet und deswegen kenne ich die Familie schon ziemlich lange (gibt Babyfotos von uns zusammen). Seit ein paar Jahren hab ich zwar kaum noch Kontakt zu ihr, aber trotzdem fand ich das ziemlich schockierend, vor allem, da sie auch ab nächster Woche Abi schreibt.

Dazu kam dann noch die Ankündigung meiner Mutter, dass mein Bruder demnächst doch Ritalin bekommen wird, da sie überhaupt nicht mehr mit ihm klar kommt. Sie sagte, dass sie ihm die Chance geben will, sich zu entfalten, was er ohne Ritalin scheinbar nicht schafft. Jeden Tag hat er im Heft stehen, dass er sich nicht benommen hat. Er macht zwar seit über einem Jahr Therapie, aber offensichtlich scheint das nicht auszureichen. Er ist zwar in der Schule viel besser geworden von der Leistung her, aber sein Verhalten lässt überall (nicht nur in der Schule) zu wünschen übrig. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, da ich von Ritalin bisher eigentlich nichts Gutes gehört hab, andererseits aber meine Mutter auch verstehen kann und meinem Bruder natürlich jede Unterstützung wünsche, die er braucht.

Dann der heutige Tag. Eigentlich so ein toller Tag. Letzter Unterrichtstag. Morgen nur nochmal hin um die Abizulassung zu holen, dann Klausuren. Ok, natürlich war das schon irgendwie ein komisches Gefühl, das letzte Mal aus einem Unterricht zu gehen. Ein seltsames Gefühl nach 9 Jahren, die ich auf diese Schule gegangen bin, 13 Jahre Schulzeit. Was kommt jetzt? Aber gut, das ist alles noch nicht wirklich real, kommt einem noch fern vor.
Dann hatte ich aber heute Therapie, zum 3. Mal jetzt. Die letzten beiden Male sind wirklich super gelaufen, ich kam da raus und war einfach nur aufgedreht, weil es so gut funktioniert hat. Damit will ich nicht sagen, dass es heute nicht geklappt hat, dass es nicht irgendwo gut war, aber es war richtig aufwühlend, dabei weiß ich nichtmal genau warum. Jedenfalls kam ich da raus und hab gezittert am ganzen Körper. Und dieses Zittern hat bis jetzt auch nicht aufgehört. Ich fühl mich total schwach.
von Filia Deae veröffentlicht in: Mein langweiliges Leben
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